AFD willkommen – Antifa nicht!? Schorndorfer Bündnis „#aufstehen“ entlarvt sich selbst

Heute hat sich unser OAT an der Kundgebung „#aufstehen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ in Schorndorf beteiligt. Da sowohl die Unterstützerliste als auch die verschiedenen kursierenden Aufrufe unseren Überzeugungen und unserer Praxis diametral entgegengesetzt sind, haben wir nicht für diese Veranstaltung mobilisiert. Wer von der Extremismus“theorie“ schwadroniert, sich CDU, FDP und DITIB ins Boot holt und propagiert, die Ängste besorgter Bürger (gemeint ist Rassismus) ernstzunehmen, macht der Bevölkerung mit seiner Arbeit gegen Rechts etwas vor. Die Beteiligung der Industrie und Handelskammer, die unsere direkten Widersacher in alltäglichen, betrieblichen Auseinandersetzungen sind, stellt einen besonderen Affront dar. Diejenigen Kräfte, die ein objektives Interesse an der Überwindung von Rassismus und der Zurückdrängung des Rechtsrucks haben, waren nicht einmal eingeladen oder lehnten die Einladung ab: Gewerkschafter, Linke und wir als AntifaschistInnen. Die dargebotenen Redebeiträge waren staatstragende Propaganda und für progressiv Denkende nur schwer zu ertragen: Es wurde direkt zu Beginn „Migrantengewalt“ pauschal verurteilt, die rassistische Politik der EU beschönigt und AusländerInnen ausschließlich als billige Arbeitskräfte gewürdigt.

Trotzdem war es gut und richtig, dass unser OAT auf der Kundgebung präsent war. Viele der Menschen aller Altersgruppen, die sich am Vormittag auf dem Schorndorfer Marktplatz versammelten, waren aus den richtigen Gründen dort. Ebendiesen Menschen konnten wir durch die zahlreichen verteilten OAT-Flyer und ein Hochtransparent mit Botschaft gegen die Extremismus“theorie“ eine glaubwürdige Vision des antifaschistischen Kampfes näherbringen.

Bei den allermeisten KundgebungsteilnehmerInnen kam das sehr gut an, sodass wir interessante Gespräche führen und neue MitsreiterInnen gewinnen konnten. Weniger gut kam unser entschlossenes Auftreten bei den Veranstaltenden an, deren naives „Wehret den Anfängen“-Geschwafel für bereits Betroffene des Rechtsrucks wie ein schlechter Witz klingen muss: von Anfang an nervten uns Ordner, denen unsere Flugblätter oder Transparente nicht passten. Das hielt uns natürlich nicht davon ab, zu tun, was wir uns vorgenommen hatten. Deutlich freundlicher gesinnt waren die Veranstaltenden einem traurigen Häuflein AfDler, die auf der Kundgebung umherschlichen. Als die rechten Störer einen antifaschistischen Platzverweis erhielten, stellten sich Offizielle der Kundgebung demonstrativ vor sie und sagten wörtlich „auch Rechte sind hier willkommen!“. Das Verhalten der Ordner sowohl uns als auch der AfD gegenüber stieß bei Umstehenden stets auf großes Unverständnis. Die Rechten machten sich also – wie so oft in letzter Zeit – nur lächerlich.

Darüber hinaus lagen dort, wo sich die antifaschistischen Kräfte mit ihren Transparenten platzierten, ein paar schlecht designte Flyer mit rassistischer Hetze herum. Die Flugblätter selbst zu verteilen, war den Urhebern aus dem „patriotischen Lager“ wohl zu heikel. Ansonsten sind neben einem stümperhaft gemalten Hetzschild, das im Laufe der Veranstaltung den Besitzer wechselte und fachgerecht entsorgt wurde, nur die erneut pöbelnd auftretenden AfD-Kameraden zu erwähnen, die nach einer antifaschistischen Ansage am Rande der Kundgebung unter Polizeischutz Löcher in den Boden starrten. Diese AfDler wurden schließlich der Kundgebung verwiesen, allerdings nicht auf Wunsch des Versammlungsleiters (SPD), sondern infolge polizeilicher Vorsichtsmaßnahmen.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass wir anwesend sind, wann immer Menschen im Rems-Murr-Kreis gegen Rassismus auf die Straße gehen. Wer es mit dem Widerstand gegen Rechts ernst meint, kommt nicht an uns vorbei. Erste Erfolge unserer konsequenten Arbeit waren auch am heutigen Tage sichtbar: Die verschiedenen rechten Spektren in der Region liefern sich einen Überbietungswettkampf in Sachen lächerliche Aktionsform. So etwas möchte man nur schwer für voll nehmen, wir bleiben trotzdem dran!

Wenn auch DU konsequent und ernsthaft antifaschistisch aktiv werden willst, komm zu unseren offenen Treffen! Das nächste findet am 13.11. um 19 Uhr in der Fronackerstraße 60 in Waiblingen statt.

 

 

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Würdiges Gedenken in Welzheim anlässlich der faschistischen Pogromnacht

Am 09. November fand unsere Gedenkkundgebung anlässlich des 80. Jahrestags der Reichspogromnacht statt, die in Zusammenarbeit mit der VVN-BdA organisiert wurde. Unter dem Motto „Für eine antifaschistische Gedenkkultur – Erinnern heißt kämpfen!“ fanden sich ca. 40 Personen auf dem Welzheimer Gottlob-Bauknecht-Platz ein, um mit Arbeiterliedgut („Wir sind die Moorsoldaten“) und Redebeiträgen ein würdiges Gedenken abzuhalten. Die Rede des OAT handelte vom Antisemitismus der deutschen Faschisten und der ungebrochenen Notwendigkeit antifaschistischen Engagements, während die Rede der VVN neben der lokal gepflegten Erinnerungsarbeit die Verbrechen der Faschisten im Welzheimer KZ thematisierte.

Dank unserer Mobilisierungsarbeit im Netz, in der Lokalpresse und auf der Straße bei Flugblattverteilaktionen beteiligten sich jung und alt, darunter viele WelzheimerInnen, am anschließenden Gang zur Gedenkstätte, der unangemeldet störungsfrei und selbstbestimmt ablaufen konnte. Die koordiniert auftretenden AktivistInnen benannten außerdem die Schillerstraße in „Hermann-Schlotterbeck-Straße“ um, sodass der Straßenname wieder wie früher an den in Welzheim inhaftierten und ermordeten Kommunisten erinnert. In andächtiger Stimmung wurden nach einer Gedenkminute rote Nelken am Mahnmal niedergelegt. Die positiven Rückmeldungen und Danksagungen der Lokalbevölkerung motivieren uns für eine Wiederholung des Gedenkens im nächsten Jahr.

Am Abend besuchte das OAT eine Ausstellung des Historischen Vereins Welzheim im Kulturhaus Schwanen, die die Geschichte des KZs Welzheim ausführlicher rekonstruiert. Bei ergiebigen Gesprächen mit BesucherInnen der Ausstellung konnten weitere Flyer verteilt und Kontakte geknüpft werden.



Rede zum 9. November

Liebe Welzheimerinnen und Welzheimer,
Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,                   

Heute gedenken wir den Opfern eines Verbrechens, das sich heute vor genau 80 Jahren ereignet hat. Am 9. November 1938 kam es zur sogenannten “Reichsprogromnacht”, einem Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung mit einem bis dahin ungekannten Ausmaß an Brutalität. Es kam zu massenhaften Übergriffen in vielen Deutschen Städten, unter anderem auch in Stuttgart. Jüdische Geschäfte wurden geplündert und Synagogen angezündet. Ein Beispiel hierfür ist die Synagoge in Bad-Canstatt, die in dieser Nacht zerstört wurde. Allerdings blieb es nicht bei Sachbeschädigungen, sondern es gab auch viele Angriffe auf Menschen, in deren Folge viele jüdische Mitbürger zunächst in sogenannte “Schutzhaft” genommen wurden, unter anderem auch hier in Welzheim, um später in Tötungslager wie beispielsweise Dachau oder Auschwitz deportiert zu werden.

Dieses Pogrom war nicht Ausdruck des “Volkszorns”, wie die Faschisten behaupteten, sondern ein organisiertes, befohlenes und von der SA, der SS und auch der Polizei ausgeführtes Verbrechen, das den Übergang zum offenen Terror gegen die jüdische Bevölkerung darstellte. An die Reichspogromnacht knüpften die Faschisten auch später an, als sie 1942 mit der Wannseekonferenz die industrielle Ermordung der europäischen Juden beschlossen. Durch die Reichspogromnacht war es im zweiten Weltkrieg dann auch einfacher für die führenden Faschisten, Razzien, Vergewaltigungen, Plünderungen und Morde durch Wehrmacht und SS in den von Hitlerdeutschland besetzten Gebieten, insbesondere in der Sowjetunion, durchzuführen und zu legitimieren.

Doch wer profitierte konkret von der Nacht des 9. Novembers? Zunächst einmal waren das beispielsweise Konkurrenten der deportierten Juden, die nun leerstehende Geschäfte übernehmen konnten. Auch Intellektuelle, deren Aufstiegschancen sich durch das Pogrom verbesserten, profitierten. Vor allem aber war es natürlich die NSDAP, die damit endlich eine Chance hatte, dem vielgepredigten Antisemitismus Taten folgen zu lassen.

Und auch heute kommt es leider immer wieder zu antisemitisch motivierten Anschlägen, wie zum Beispiel dem Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh vor gut zwei Wochen, bei dem mindestens 11 Menschen getötet wurden. Doch man muss nicht in die USA schauen, um Antisemitismus zu finden. Hier in Deutschland wird Antisemitismus zu Recht tabuisiert und findet daher eher im Verborgenen statt. Allerdings findet man Antisemitismus unter anderem auch auf Schulhöfen, wo “Du Jude” als Beleidigung verwendet wird, oder auch in der Politik, wo Björn Höcke das Holocaust Denkmal in Berlin als ein “Mahnmal der Schande” bezeichnet. Besonders offen gibt es Antisemitismus natürlich auch in Neonazi-Kameradschaften. Dort führt dieser teilweise sogar bis zur Leugnung des Holocaust. Der Antisemitismus der Rechten dient dazu, real existierende soziale Widersprüche zu leugnen und Probleme in der deutschen Gesellschaft einer “jüdischen Weltverschwörung” anzulasten.

Und ja, es gibt soziale Widersprüche. In Deutschland gibt es massive ökonomische Konflikte in der Gesellschaft, die fast immer zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung gelöst werden. Rechte Hetzer geben vor diese Probleme lösen zu wollen, indem sie scheinbar einfache Erklärungen bieten, wie beispielsweise die “jüdische Weltverschwörung” oder die “Islamisierung des Abendlandes”. Leider passiert es immer wieder, dass sich davon Menschen dazu verleiten lassen, auf die Straße zu gehen und Jagd auf Menschen zu machen, wie es zuletzt in Chemnitz der Fall war, wo es ebenfalls einen Anschlag auf ein jüdisches Restaurant gab.

Glücklicherweise gibt es immer mehr Menschen die aufstehen gegen rechte Hetze und sich wehren gegen faschistisches Gedankengut, wie zum Beispiel bei der Kundgebung in Winnenden vor einigen Wochen. Circa 400 Menschen versammelten sich, um gegen einen rassistischen Angriff und gegen den Rechtsruck in Deutschland zu demonstrieren. Diese Art von Engagement ist zwar sehr erfreulich, allerdings muss antifaschistischer Widerstand organisiert und entschlossen sein, um wirklich effektiv zu sein. Der bundesweite Rechtsruck hat eine rechte Bewegung hervorgebracht, die auf den Straßen marschiert und mit der AfD in alle Landesparlamente und den Bundestag eingezogen ist. Die Rechten sind zu allem bereit und stellen die Machtfrage. Wo sich früher distanziert wurde, arbeitet man heute ganz offen mit Nazis zusammen.

Gerade an diesem Tag, 80 Jahre nach dem faschistischen Pogrom, müssen wir uns unserer Verantwortung bewusst werden, diese Entwicklung zu stoppen. Deswegen möchte ich euch einladen, sich uns anzuschließen und sich zu organisieren. Kommt zum Offenen Antifaschistischen Treffen Rems-Murr! Wir treffen uns jeden zweiten Dienstag im Monat im IGM Haus in Waiblingen. Jeder und jede kann seinen Teil dazu beitragen, den Rechten etwas entgegen zu setzten.

Für eine antifaschistische Gedenkkultur!

Erinnern heißt kämpfen!

Nie wieder Faschismus!

 

 

 

Gedenkkundgebung am 09. November in Welzheim

Dieses Jahr jährt sich der 9. November 1938 zum 80. Mal. An diesem Datum kam es im damaligen faschistischen Deutschland zu einem bisher noch nie da gewesenen Pogrom an der jüdischen Bevölkerung. Bewaffnete Banden der NSDAP, SA und SS, ermordeten planmäßig 400 Menschen, zerstörten 1 400 Synagogen, Betstuben und sonstige Räume und brandschatzten tausende Wohnungen und Geschäfte. Über 30 000 Juden wurden in der Folge entführt und in Konzentrationslagern misshandelt, gefoltert und getötet.

Auch im damaligen Württemberg kam es zu Pogromen. Während es im Rems-Murr-Kreis kein organisiertes jüdisches Gemeindeleben gab, brannte im benachbarten Bad Cannstatt die jüdische Synagoge. Der Großteil der 2 000 württembergischen Juden wurde in das Konzentrationslager in Welzheim verschleppt. Für viele war es eine Durchgangsstation, bevor sie in Richtung Buchenwald oder Dachau deportiert wurden. In dem zentral in Welzheim gelegenen KZ wurden nicht nur Juden und Jüdinnen gefangen halten, sondern auch entschiedene Widerstandskämpfer gegen den Hitlerfaschismus wie Hans Gasparitsch, Friedrich und Hermann Schlotterbeck, Gottlob „Fritz“ Wandel oder Willi Bleicher.

Schon kurze Zeit nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus waren viele der damaligen Täter wieder in Amt und Würden. Der Welzheimer KZ Kommandant Karl Buck wurde unmittelbar nach dem Krieg von Frankreich aufgrund seiner Verbrechen unter dem Faschismus zum Tode verurteilt, kam jedoch 1955 frei und wurde seitdem nicht mehr belangt. Er lebte als „unbescholtener Bürger“ bis 1977 in Rudersberg. Eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Vergangenheit war lange Zeit gerade von CDU und Freien Wählern im Welzheimer Wald nicht erwünscht. Die nach dem ermordeten Antifaschisten benannte Hermann-Schlotterbeck-Straße in Welzheim wurde keine sechs Monate nach Kriegsende in Schillerstraße umbenannt. Erst vor wenigen Jahren setzte ein Umdenken in den öffentlichen Gremien der Gemeinde Welzheim ein.

Davor wurden AntifaschistInnen, die an die Verbrechen des Hitlerregimes erinnerten, als „Nestbeschmutzer“ beleidigt, kriminalisiert und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Antifaschistische Gedenkkultur musste schon immer selbst aufgebaut und verteidigt werden.

Deshalb ruft das Offene Antifaschistische Treffen gemeinsam mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen zu einer Gedenkkundgebung auf. Wir wollen den unzähligen Opfern von damals würdig gedenken, indem wir während der Kundgebung einen Kranz niederlegen und in unseren Reden aufzeigen, warum Widerstand gegen Rechts auch heute notwendig ist. Die Kundgebung findet unmittelbar vor der KZ Gedenkstätte in Welzheim statt. Um 16 Uhr werden wir dann am 9. November mit dem antifaschistischen Gedenken beginnen.

Treffpunkt für gemeinsame Anreise: 14.45 Waiblingen Bahnhof

Für eine antifaschistische Gedenkkultur!

Erinnern heißt Kämmpfen!

Antifaschistische Gedenkexkursion in Welzheim und Rudersberg

Gestern waren wir zusammen mit Genossen der VVN-BdA in Welzheim und Rudersberg unterwegs und haben einige Orte besucht, an denen die faschistische Terrorherrschaft bis 1945 besonders brutal wütete. Wir bedanken uns hier noch einmal bei den FreundInnen der VVN, für ihre kontinuierliches Engagement und die Möglichkeit, an ihrem Wissen und ihren Erfahrungen teil zu haben. Auch in Zukunft freuen wir uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit!

Begonnen hat unsere Exkursion vor dem ehemaligen KZ, mitten im Welzheimer Ortskern. Von den deutschen Faschisten verharmlosend „Polizeigefängnis“ genannt, wurden hier unzählige Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter sowie „Asoziale“ und osteuropäische Zwangsarbeiter eingepfercht und gefoltert. Jeden Tag rückten viele von ihnen aus dem KZ aus, um auf umliegenden Höfen und Handwerksbetrieben Sklavenarbeit zu verrichten. Ehemalige Häftlinge des KZ bezeichneten dieses als „einzige Folterkammer“. Der Leiter des Welzheimer KZ, Karl Buck, wurde in Frankreich zu Recht zum Tode verurteilt, wurde aber im Zuge der deutsch-französischen Aussöhnung allerdings wieder nach Deutschland gebracht. Hier lebte er bis zu seinem Tod als „angesehener Bürger“ in Rudersberg.

Die zweite Station des Tages war die Gedenkstätte für die im Welzheimer KZ ermordeten Häftlinge auf dem Friedhof. Beurkundet sind 63 Tote, von denen 43 auf dem Welzheimer Friedhof beigesetzt wurden. Die Dunkelziffer, gerade der durch zu hohe Arbeitsbelastung oder Krankheit Umgekommenen, dürfte noch deutlich höher liegen. An den Namen, die sich an der Gedenkstätte finden, lässt sich erkennen, dass der deutsche Faschismus nicht für das jüdische Volk, sondern auch für die Völker Osteuropas nichts als Terror und Vernichtung kannte.

Danach fuhren wir zum sogenannten „Henker-Steinbruch“. Hier, im Welzheimer Wald, fanden die Hinrichtungen der KZ-Häftlinge statt. Einige wurden erschossen, andere an Galgen erhängt, die von Mithäftlingen angefertigt werden mussten. Lange war der ehemalige Hinrichtungsort völlig zugewuchert und nicht zugänglich. Auf Intervention der VVN-BdA wurden eine Gedenktafel und ein Pfad, der an das Schicksal der Ermordeten erinnern, eingerichtet. Den Hinrichtungsort vieler Häftlinge zu sehen, ging allen sehr nahe. Im Gedenken an diese Greueltaten wurde uns nochmal deutlich, warum wir unseren antifaschistischen Kampf führen und warum die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln immer noch unsere Losung ist.

Den Abschluss des Tages bildetete der Besuch des Rudersbergers Friedhofs. Hier befindet sich eine Gedenktafel, die an die ermordeten Frauen des Frauenlagers Rudersberg erinnert. Die meisten der inhaftierten Frauen wurden in der Munitionskistenproduktion eingesetzt und waren täglicher Folter ausgesetzt. Besonders erschreckend ist, neben den Verbrechen des Faschismus selbst, der Umgang der bürgerlichen „Demokraten“ damit. In Rudersberg verhinderten lange Zeit Politiker der CDU und der Freien Wähler jegliches Gedenken an die Opfer des Frauenlagers. Die Inhaftierten wurden als Verbrecherinnen verunglimpft und antifaschistische AktivistInnen, die dem widersprachen, als „Nestbeschmutzer“ beleidigt und kriminalisiert. Selbst die Gedenktafel auf dem Rudersberger Friedhof konnte nur durch private Spenden errichtet werden. Die Genossen der VVN-BdA, die zum Teil selbst in diese Kämpfe involviert waren, erinnerten uns deutlich daran, dass antifaschistisches Gedenken immer verteidigt werden musste und sicherlich nicht den staatlichen Institutionen überlassen werden darf.

In tiefer Trauer um die Ermordeten, aber auch im Bewusstsein, dass unser Kampf ein gerechter Kampf ist, beendeten wir den Tag. Unser nächster Termin als Offenes Antifaschistisches Treffen ist der 9. November. Wir veranstalten gemeinsam mit der VVN-BdA eine Gedenkkundgebung in Welzheim auf dem Gottlob-Bauknecht-Platz, um an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht zu erinnern und zu mahnen. Die Kundgebung findet von 16 bis 17 Uhr statt. Zur gemeinsamen Anreise treffen wir uns um 14:45 am Waiblinger Bahnhof bei den Taxis.

Wenn du auch Ideen für antifaschistische Gedenk- und Bildungsarbeit hast oder gegen die rechten Hetzer von heute etwas tun willst, dann komm zu unserem nächsten offenen Treffen am 13. November um 19 Uhr in der Fronackerstraße 60 in Waiblingen. Wir freuen uns auf dich!

Für eine antifaschistische Gedenkkultur!
Erinnern heißt kämpfen!

 

ANTIFASCHISTISCHER AKTIONSTAG IN BACKNANG

AfD-Stand erfolgreich abgeschirmt — gut besuchte Kundgebung gegen Naziumtriebe —- selbstbestimmte Spontandemonstration

Heute war aus antifaschistischer Sicht einiges los in Backnang. Der Tag begann früher als geplant, denn die rechten Hetzer der AfD waren der Meinung, einen „Infostand“ in Backnang abhalten zu müssen. Das war, wie sich bald zeigte, eine ziemlich schlechte Idee. Etwa 30 Antifaschistinnen und Antifaschisten ergriffen die Initiative und schirmten den AfD-Stand erfolgreich ab. Die Rechten waren offenbar überrascht und von den Antifas sichtlich eingeschüchert. Sie konnten ihre Flugblätter fast ausschließlich an ihre eigenen Mitglieder verteilen, die sie extra dafür herbeordert hatten. Den Rest der Zeit verbrachten sie damit, unter Polizeischutz vor ihrem Stand zu kauern oder die Überbleibsel ihrer Propagandamittel vom Boden aufzulesen. Ein ansprechendes Außenbild sieht definitiv anders aus. Die antifaschistischen Aktivisten hingegen nutzten die Gelegenheit, um für die anschließende Kundgebung zu mobilisieren. Die „Backnanger“ AfD flüchtete schließlich im Taxi und überließ den Antifaschistinnen und Antifaschisten die Stadt für einen auch weiterhin gelungenen Tag.

Anschließend zogen die Aktivistinnen und Aktivisten mit einer Spontandemo weiter zur Kundgebung am Rathausplatz, zu der das Zusammen gegen Rechts-Bündnis unter dem Motto „Backnang: Besser ohne Nazis“ aufgerufen hatte. Über 250 Menschen hatten sich dort versammelt, um sich anhand von Reden und Stellwänden über rechte Umtriebe zu informieren und gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Die Kundgebung zog ein vielfältiges Publikum an und blieb frei von rechten Störungen. Eine handvoll Nazischmierereien, die die Faschisten der sogenannten „Autonomen Nationalisten Rems Murr“ im Schutz der Dunkelheit in der Stadt angebracht hatten, blieb die einzige „Aktion“ der Nazis an diesem Tag. Wiedereinmal entpuppten sie sich als Maulhelden, die zu ernstzunehmenden Gegenaktionen schlicht nicht in der Lage sind.

Im Anschluss an die gelungene Kundgebung formierte sich eine große Spontandemonstration, der sich die meisten Teilnehmer der Kundgebung anschlossen. Selbstbestimmt und entschlossen wurden unsere Inhalte auf die Straße getragen, was von den Backnangerinnen und Backnangern sehr positiv aufgenommen wurde. Einige applaudierten, andere reihten sich direkt in die Demonstration ein. Kurz vor Ende unterstrichen Aktivistinnen und Aktivisten mit einer Grußbotschaft an die Spontandemo, dass Backnang antifaschistisch bleibt und Nazis hier nichts zu melden haben.

 

Jetzt am Montag gegen die AfD-Veranstaltung in Korntal!

Jetzt am Montag (22.10.2018) hat plant die AfD eine Veranstaltung in der Korntaler Stadthalle. Neben dem Stuttgarter MdB Lothar Maier soll auch der selbsternannte Parteiphilosoph Jongen sprechen.
Die AfD hat die Veranstaltung erst kurzfristig bekannt gegeben. Trotzdem: Wir lassen Treffen der Rechtspopulisten auch im Stuttgarter „Hinterland“ nicht ungestört über die Bühne gehen.

Kommt mit uns gemeinsam nach Korntal und tragt dort mit uns den Widerstand gegen Rechts auf die Straße. In Anbetracht der kurzen Zeit bis Montag rufen wir spontan zu Protesten an der Halle auf, wollen uns dafür aber gemeinsam mit anderen um 18 Uhr am Korntaler Bahnhof treffen.

Treffpunkt zur gemeinsamen Anreise ab Stuttgart ist um 17.30 Uhr am „Le crobag“ in der Klett-Passage am HBF. Es gibt auch aus dem Rems-Murr-Kreis eine Anreisemöglichkeit, schreibt uns hierzu auf facebook oder per oatrm[at]riseup.net .