Antifaschistische Gedenkexkursion in Welzheim und Rudersberg

Gestern waren wir zusammen mit Genossen der VVN-BdA in Welzheim und Rudersberg unterwegs und haben einige Orte besucht, an denen die faschistische Terrorherrschaft bis 1945 besonders brutal wütete. Wir bedanken uns hier noch einmal bei den FreundInnen der VVN, für ihre kontinuierliches Engagement und die Möglichkeit, an ihrem Wissen und ihren Erfahrungen teil zu haben. Auch in Zukunft freuen wir uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit!

Begonnen hat unsere Exkursion vor dem ehemaligen KZ, mitten im Welzheimer Ortskern. Von den deutschen Faschisten verharmlosend „Polizeigefängnis“ genannt, wurden hier unzählige Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter sowie „Asoziale“ und osteuropäische Zwangsarbeiter eingepfercht und gefoltert. Jeden Tag rückten viele von ihnen aus dem KZ aus, um auf umliegenden Höfen und Handwerksbetrieben Sklavenarbeit zu verrichten. Ehemalige Häftlinge des KZ bezeichneten dieses als „einzige Folterkammer“. Der Leiter des Welzheimer KZ, Karl Buck, wurde in Frankreich zu Recht zum Tode verurteilt, wurde aber im Zuge der deutsch-französischen Aussöhnung allerdings wieder nach Deutschland gebracht. Hier lebte er bis zu seinem Tod als „angesehener Bürger“ in Rudersberg.

Die zweite Station des Tages war die Gedenkstätte für die im Welzheimer KZ ermordeten Häftlinge auf dem Friedhof. Beurkundet sind 63 Tote, von denen 43 auf dem Welzheimer Friedhof beigesetzt wurden. Die Dunkelziffer, gerade der durch zu hohe Arbeitsbelastung oder Krankheit Umgekommenen, dürfte noch deutlich höher liegen. An den Namen, die sich an der Gedenkstätte finden, lässt sich erkennen, dass der deutsche Faschismus nicht für das jüdische Volk, sondern auch für die Völker Osteuropas nichts als Terror und Vernichtung kannte.

Danach fuhren wir zum sogenannten „Henker-Steinbruch“. Hier, im Welzheimer Wald, fanden die Hinrichtungen der KZ-Häftlinge statt. Einige wurden erschossen, andere an Galgen erhängt, die von Mithäftlingen angefertigt werden mussten. Lange war der ehemalige Hinrichtungsort völlig zugewuchert und nicht zugänglich. Auf Intervention der VVN-BdA wurden eine Gedenktafel und ein Pfad, der an das Schicksal der Ermordeten erinnern, eingerichtet. Den Hinrichtungsort vieler Häftlinge zu sehen, ging allen sehr nahe. Im Gedenken an diese Greueltaten wurde uns nochmal deutlich, warum wir unseren antifaschistischen Kampf führen und warum die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln immer noch unsere Losung ist.

Den Abschluss des Tages bildetete der Besuch des Rudersbergers Friedhofs. Hier befindet sich eine Gedenktafel, die an die ermordeten Frauen des Frauenlagers Rudersberg erinnert. Die meisten der inhaftierten Frauen wurden in der Munitionskistenproduktion eingesetzt und waren täglicher Folter ausgesetzt. Besonders erschreckend ist, neben den Verbrechen des Faschismus selbst, der Umgang der bürgerlichen „Demokraten“ damit. In Rudersberg verhinderten lange Zeit Politiker der CDU und der Freien Wähler jegliches Gedenken an die Opfer des Frauenlagers. Die Inhaftierten wurden als Verbrecherinnen verunglimpft und antifaschistische AktivistInnen, die dem widersprachen, als „Nestbeschmutzer“ beleidigt und kriminalisiert. Selbst die Gedenktafel auf dem Rudersberger Friedhof konnte nur durch private Spenden errichtet werden. Die Genossen der VVN-BdA, die zum Teil selbst in diese Kämpfe involviert waren, erinnerten uns deutlich daran, dass antifaschistisches Gedenken immer verteidigt werden musste und sicherlich nicht den staatlichen Institutionen überlassen werden darf.

In tiefer Trauer um die Ermordeten, aber auch im Bewusstsein, dass unser Kampf ein gerechter Kampf ist, beendeten wir den Tag. Unser nächster Termin als Offenes Antifaschistisches Treffen ist der 9. November. Wir veranstalten gemeinsam mit der VVN-BdA eine Gedenkkundgebung in Welzheim auf dem Gottlob-Bauknecht-Platz, um an den 80. Jahrestag der Reichspogromnacht zu erinnern und zu mahnen. Die Kundgebung findet von 16 bis 17 Uhr statt. Zur gemeinsamen Anreise treffen wir uns um 14:45 am Waiblinger Bahnhof bei den Taxis.

Wenn du auch Ideen für antifaschistische Gedenk- und Bildungsarbeit hast oder gegen die rechten Hetzer von heute etwas tun willst, dann komm zu unserem nächsten offenen Treffen am 13. November um 19 Uhr in der Fronackerstraße 60 in Waiblingen. Wir freuen uns auf dich!

Für eine antifaschistische Gedenkkultur!
Erinnern heißt kämpfen!

 

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